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Zu Beginn haben wir den Grundsatz vorgestellt: "Den einen richtigen biomedizinischen Ansatz gibt es beim Autismus nicht bzw. nur in den seltensten Fällen!" Zum Erfolg führt lediglich die individuell richtige Kombination von mehren biomedizinischen Ansätzen.
Welche dies für Ihr Kind ist, müssen Sie selbst heraus finden, doch sind wir Ihnen dabei gerne behilflich: Im Laufe unserer mehrjährigen Recher-chen haben sich einige
ECKPFEILER
der biomedizinischen Autismus-Therapie heraus kristallisiert, auf die man auf jeden Fall achten sollte:
A: Darmsanierung:
Lassen Sie Ihr Kind dahingehend untersuchen, ob die Darmflora in Ordnung ist. Von wenigen Ausnahmefällen abgesehen hat es sich durch zahlreiche Berichte gezeigt, dass eine gestörte Darmflora eines der Hauptprobleme autistisch Behinderter ist. Seien Sie jedoch sorgfältig bei der Auswahl des Arztes, denn leider schenken viele Mediziner diesem Problem auch heute noch viel zu wenig Beachtung. Als Beispiel dafür wollen wir kurz erläutern, welche Fehler immer wieder bei der Diagnosestellung, ob eine Candida-Überwucherung vorliegt oder nicht, gemacht werden klönnen:
Grundsätzlich kann die Diagnose durch die Untersuchung von Stuhlproben festgestellt werden. Bei positivem Befund ist eine Therapie unbedingt notwendig. Allerdings wissen wir aus Berichten und eigenen Erfahrungen, dass ein negativer Befund (keine Hefen in der Stuhlprobe) noch kein Signal der Entwarnung darstellt. Mitunter kann sich Candida albicans so sehr im Dünndarm festsetzen oder gar "im Körper verstecken", dass die Hefe mit dem Stuhl gar nicht mehr ausgeschieden wird.
Bitte beachten Sie deshalb unbedingt die Tatsache, dass je mehr oder je länger eine Überwucherung durch Candida fortgeschritten ist, desto größer die Gefahr eines negativen Befunds ist.
Der US-amerikanische Biochemiker und Autismusforscher Dr. William Shaw berichtet darüber sehr ausführlich in seinem für Laien leicht lesbaren Buch, welches wir nochmals empfehlen.
Dr. Shaw, welcher in seinem Labor THE GREAT PLAINS LABORATORY Tests auf Candida anbietet, hat deshalb einen sichereren Weg gefunden: Egal nämlich, wo sich die Hefe im Körper versteckt, so scheidet sie doch Stoffwechselprodukte aus, sodass Dr. Shaw anhand einer Urinprobe die Belastung mit Candida albicans als auch anderen pathogenen Mikroorganismen viel sicherer bestimmen kann. Bei negativem Stuhlproben-Befund oder für die Kontrolluntersuchungen nach der Behandlung empfehlen wir deshalb dringend, diese nach der sichereren Methode von Dr. Shaw durchführen zu lassen. Wir wissen von vielen Fällen, wo nach einem negativem Befund der Stuhlprobe ein paar Monate später Candida wieder präsent war als wie zuvor.
Ganz wichtig: Die Kontrolle des Urins auf typische Stoffwechselprodukte von Hefen und anderen pathogenen Mikroorganismen ist der derzeit einzige Ansatz, um sicher feststellen zu können, ob ein Problem vorliegt. Stuhlproben können falsche Ergebnisse produzieren!
Die Behandlung von Candida-Überwuchs wird üblicherweise mit dem Präparat Nystatin durchgeführt, welches in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Wie wir recht ausführlich in unserer 12. Ausgabe ausführten, raten wir jedoch, diese Behandlung als auch eine sonstige umfassende Darmsanierung nicht ohne einen Arzt oder Heilpraktiker durchzuführen. Doch vergessen Sie bitte nicht unseren Warnhinweis zu Beginn, weil ein falscher negativer Befund verheerende Auswirkungen haben könnte.
B: Gluten- und kaseinfreie Diät
Die Durchführung einer gluten- und kaseinfreien Diät raten wir grundsätzlich allen Eltern, jedoch verstehen wir auch die Ängste, die Eltern davor haben, diese zu beginnen bzw. konsequent durchzuführen.
Es ist deshalb verständlich, dass Eltern wissen wollen, ob dies bei ihrem Kind überhaupt notwendig ist.
Wenn ein Kind noch relativ jung ist (unter 5 Jahren), dann ist das Ausprobieren der beste Weg, um dies festzustellen.
Innerhalb einer relativ kurzen Zeit (3 bis 6 Monate) zeigen sich in der Regel deutlich wahrnehmbare Verbesserungen.
Um die Notwendigkeit "schwarz auf weiß" festzustellen, sind Urin-Untersuchungen notwendig, die allerdings in Deutschland noch nicht angeboten werden. Wir verweisen Eltern deshalb entweder an das Labor von Dr. Shaw oder an Dr. Reichelt aus Norwegen, wo solche Untersuchungen durchgeführt werden können.
Leider wird immer wieder der Fehler gemacht, dass dieses Phänomen mit einer Milch- und/oder Weizenallergie verwechselt wird und zur Feststellung, ob eine Diät notwendig ist, Allergietests gemacht werden. Zwar kommt in vielen Fällen eine solche Allergieform hinzu, jedoch hat das Eine nichts mit dem Anderen zu tun.
Eine Allergie liegt vor, wenn unser Immunsystem auf Stoffe im Blut reagiert. Bei der klassischen Weizen- oder Milchallergie sind dies jedoch andere Stoffe als die durch Gluten und Kasein gebildeten "Nahrungs-Morphine". Schon oft kam es nämlich vor, dass uns Eltern freudestrahlend berichteten, dass Allergietests ergäben hätten, dass das Kind keine Diät mehr brauchen würde. Die Diät (also das Weglassen von Milch und Getreide) hatte also bewirkt, dass keine Allergene mehr im Blut festgestellt werden konnten, jedoch waren die "Nahrungs-Morphine" nach wie vor vorhanden, was anschließende Untersuchungen leider zeigten.
Wenn Sie deshalb Gewissheit haben wollen, dann müssen Sie auch die richtigen, geeigneten Untersuchungen bei Ihrem Kind durchführen lassen.
Unabhängig davon sollten Sie jedoch schon Allergietests durchführen lassen. Wenn ein Kind nämlich viele Nahrungsmittelallergien hat, dann kommt dies oftmals daher, dass die Darmwand beschädigt worden ist Bis zum erfolgreichen Abschluss einer Darmsanierung können Sie Ihrem Kind damit helfen, dass sie auf die entsprechenden Lebensmittel verzichten.
C: Schwefel-Problem
Untersuchungen, ob Ihr Kind ein Schwefel- oder Sulfationsproblem hat, sind uns leider nicht bekannt. Sie können Ihr Kind jedoch dahingehend untersuchen lassen, ob es einen durchlässigen Darm hat. Wenn dies der Fall wäre, dann ist ein Sulfationsproblem sehr wahrscheinlich.
Die orale Aufnahme von Schwefel scheint lediglich in der Form von Methyl-Sulphonyl-Methane (kurz MSM genannt) therapeutisch sinnvoll zu sein. MSM ist zwischenzeitlich auch bei uns über das InterNet aus dem EG-Ausland erhältlich.
Dr. Jeff Bradstreet (Florida) berichtet über gute Fortschritte mit MSN, wenn Kinder extrem schwitzen oder abnormale Gerüche an sich haben und glaubt, dass MSN tatsächlich die PST-Funktion verbessert.
Dr. Trent Nichols (Hanover, Pennsylvania, USA), berichtet davon, dass MSN sehr hilfreich gegen Nahrungsmittelallergien sei. Eine logische Erklärung dafür wäre, dass durch die Einnahme von MSM die Schwefel-Spiegel im Körper ansteigen und somit die Durchlässigkeit des Darms geheilt werden könnte.
Über die Bedeutung von Schwefel bei der Entgiftung haben wir hier berichtet. Das gilt auch in Bezug auf eine Belastung mit Schwermetallen, doch sind die Zusammenhänge hier wesentlich komplizierter.
Wie wir in unserer 11. Ausgabe ausführten, wo wir ausführlich dieses Thema behandelt haben, ist es unbedingt notwendig, eine Fachperson bei der Behandlung hinzu zu ziehen. Vor allem Zahnärzte, die Amalgam-Ausleitungen durchführen, kennen sich auf diesem Gebiet sehr gut aus. Über das Ausleitungsverfahren machen wir deshalb an dieser Stelle nur die Bemerkung, dass spezielle Stoffe (genannt Chelatoren oder Chelatbilder) eingenommen werden müssen, welche in der Lage sind, Schwermetalle im Körper zu binden und auszuscheiden. Diese Stoffe sind in der Regel spezielle Schwefelverbindungen.
Bzgl. der Diagnose gibt es zwei Alternativen: Die erste wäre die Untersuchung einer Haarprobe, die zweite ein Provokationstest. Dieser sieht so aus, dass Chelatbilder eingenommen werden und anschließend eine Urinprobe untersucht wird. Wir raten dringend, bei einer negativen Haarprobe trotzdem auf einen Provokationstest zu bestehen, weil mitunter die Haarprobe - vergleichbar mit der Stuhlprobe bei Candida - einen falschen Negativbefund liefern kann.
D: Sonstiges
Es ist weiterhin empfehlenswert, das Kind auf Nährstoffmängel untersuchen zu lassen, um gezielt Nährstoffe (Vitamine, Mineralien und Spurenelemente) geben zu können.
Wie wir eingangs berichtet haben, zeigen leider viele autistisch Behinderte massive Mangelerscheinungen auf. Als Sofortmaßnahme, die sich durchaus über einen längeren Zeitraum erstrecken kann, sind deshalb Nährstoff-Präparate absolut notwendig, um dem Kind zu helfen. Bitte beachten Sie jedoch, dass dies nur eine Symptom-Behandlung ist und die Ursachen tiefer liegen (Darm vor allem).
Was die Sekretin-Therapie betrifft, so halten wir diese für die Therapie der Zukunft, jedoch raten wir derzeit davon ab, weil die Konzepte noch lange nicht ausgereift sind. Wenn Sie sich jedoch dennoch dafür entschieden und einen Arzt dafür gefunden haben, dann beachten Sie bitte unsere Ausführungen hinsichtlich Sekretin, damit Sie sich vor einer unnötigen Enttäuschung bewahren. Wenn Sie diese beachtet haben, dann ist vielleicht Sekretin das Mittel, mit dem Ihr Kind den Durchbruch schaffen kann.
Wer - aus welchen Gründen auch immer - keine gluten- und kaseinfreie Diät einhalten kann oder will, sollte zumindest über die Einnahme von Verdauungsenzymen nachdenken. Wie es derzeit den Anschein hat, ist dies zwar kein vollständiger Ersatz für die Diät, doch kann es dem Kind doch merklich helfen. Das sinnvollste Enzympräparat dürfte derzeit DPP IV von Kirkman (USA) sein.
Noch zwei Bemerkungen dazu: Wesentlich unkomplizierter ist das Weglassen aller Milchprodukte. Allein schon diese Maßnahme hat bei sprechenden autistisch Behinderten schon viel bewirkt. Trotz der strikten Einhaltung einer gf/kf Diät sollten autistisch Behinderte (mit Ausnahme der ganz jungen Kinder) spezielle Therapiemaßnahmen zur Förderung der Wahrnehmungsverarbeitung durchlaufen, um das Gehirn nach jahrelanger Gewöhnung an den Missbrauch wieder richtig zu trainieren. Wir empfehlen dafür die Heim-Programme von Dr. David Delacato (Sohn und Nachfolger von Dr. Carl H. Delacato).
Schlussbemerkungen:
Bitte beachten Sie bei allen biomedizinischen Ansätzen unbedingt, dass eine umfassende Heilung ihre Zeit braucht und nicht von heute auf morgen geschieht.
Vernachlässigen Sie darüber hinaus konventionelle Therapieverfahren nicht. Die Biomedizin schafft in vielen Fällen nur die Grundlagen, auf die weiter aufgebaut werden muss.
Sobald uns genügend neue Informationen vorliegen, werden wir auf dieser Website weiter berichten. Wann dies der Fall sein wird, können wir aus verständlichen Gründen nicht sagen. Diese Erkenntnisse sind zwischenzeitlich seit einigen Jahren bekannt, aber an ihrer Aktualität hat sich bis heute nichts geändert.
Wir hoffen, dass unsere Ausführungen soweit verständlich gewesen sind, dass Sie uns gut folgen konnten.
Jürgen Greiner
Redaktion WIR ELTERN September 2003, aktualisiert Mai 2010
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