Das autistische Spektrum ist so vielfältig, dass es unmöglich die eine, einzigartige Autismustherapie geben kann. Das ist einerseits gerade für Eltern und Betreuer von autistisch behinderten Kindern zunächst sehr niederschmetternd, weil eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten angeboten wird und keine davon ihr Kind wieder ganz gesund machen kann. Die Verwirrung ist groß und die Frage, welche Therapie könnte meinem Kind helfen, ist nicht leicht zu beantworten.
Eltern autistisch behinderter Kinder sind oft sehr froh, wenn sie eine Therapeutin oder einen Therapeuten gefunden haben, dem sie vertrauen können. Das ist auch gut so. Die Vielzahl der zwischenzeitlich entwickelten Therapieverfahren für autistisch behinderte Menschen (vornehmlich für die Kinder) ist aber auch andererseits eine Chance, dass die richtige Kombination verschiedener Therapiemaßnahmen gerade ihr Kind weiter bringen könnte.
Es gibt Eltern, die froh und rundweg zufrieden sind, wenn sich eine Therapeutin oder ein Therapeut ihres Vertrauens sich ihrem autistisch behinderten Kind annimmt. Diesen Eltern raten wir, im Interesse ihres Kindes hin und wieder auch auf andere (zusätzliche) Therapiemöglichkeiten zu schauen.
Es gibt jedoch auch im anderen Extremfall Eltern, die am liebsten jeden Therapieansatz für ihr Kind ausprobieren würden. Nicht nur, dass dies vermutlich sogar kontraproduktiv wäre, diese Bestrebungen scheitern auch schon daran, dass die Sozialleistungsträger die Kosten für all die Therapiemaßnahmen nicht übernehmen würden. Welche Therapie überhaupt möglich ist, kann gerade beim Autismus auch oder insbesondere eine Frage des Geldes sein, wie man versichert ist oder wie gut man Anträge auf Erstattung formulieren kann. Diesbezüglich werden wir in der Themenreihe RECHT noch Beiträge veröffentlichen.
Wir stellten in der Zeitschrift WIR ELTERN und wir stellen hier eine Reihe von verschiedenen Therapiemöglichkeiten vor. Die Auswahl, was für Ihr Kind passen und ihm weiter helfen könnte, müssen Sie selbst treffen. Diese Zeitschrift wird Ihnen dabei helfen, indem sie versucht, die Therapie zu beschreiben und Erfahrungswerte weiter zu geben. Ein Gütesiegel für die jeweilige Therapieform zu vergeben, wäre irreführend, weil – wie bereits erwähnt – das eine Kind mit Autismus von der einen Therapieform sehr profitiert, während es bei dem anderen eine andere ist.
Es ist auch kein Gütesiegel für die Wirksamkeit einer Therapie im Einzelfall (also speziell für Ihr Kind), wenn es sich dabei um eine wissenschaftliche anerkannte Therapieform handelt. Dieses Merkmal hat seine Auswirkung hinsichtlich der Erstattung der Kosten, aber nicht hinsichtlich der Notwendigkeit und Wirksamkeit im Einzelfall. Gerade beim autistischen Spektrum gilt insbesondere der medizinische Grundsatz: „Wer heilt, hat Recht!“
Eine Bemerkung zum Schluss: In den Beiträgen dieses Themenbereichs wird vornehmlich von autistisch behinderten Kindern und nicht von autistisch behinderten Menschen gesprochen. Dies hat seinen Grund darin, dass einerseits Therapiemaßnahmen mehr Bedeutung haben, wenn der autistisch behinderter Mensch noch im Kindes- oder Jugendalter ist, andererseits bleibt er ein Leben lang das Kind seiner Eltern, egal wie alt er ist.
Alle vorgestellten Therapieverfahren sind jedoch grundsätzlich altersunabhängig. Allerdings gilt für autistisch Behinderte das, was für alle Menschen gilt: In der Kindheit lernt man manches schneller als im Erwachsenenalter. Dafür hat der Erwachsene mehr Erfahrung als das Kind. Therapiemaßnahmen bei erwachsenen Menschen mit Autismus jedoch gänzlich einzustellen, dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.